Superstars in Rekordlaune, ein vibrierendes Ambiente, und leistungsstarke Einheimische. Das ist Weltklasse Zürich. An einem denkwürdigen Abend verwandelte Alison dos Santos (BRA) mit einem 400-m-Hürden-Weltrekord das Stadion Letzigrund in eine Festhütte. Meetingrekordler Armand «Mondo» Duplantis (SWE) im Stabhochsprung und Parker Wolfe (USA) über 3000 m sorgten für weitere Highlights.
Alison dos Santos, Weltmeister von 2022, brach beim zweitletzten Meeting der Wanda Diamond League-Saison sensationell den Weltrekord über 400 m Hürden. Er legte einen entfesselten Lauf auf die «piste magique» von CONICA im Letzigrund, fulminant lief er bereits bei halber Distanz auf den vor ihm gestarteten bisherigen Weltrekordler Karsten Warholm (NOR) auf. Nach blitzsauberen Überquerungen bei Hürden neun und zehn stürmte der 26-Jährige über die Ziellinie. Des Wikingers Weltrekord steigerte er um 14 Hundertstel auf 45,80 Sekunden. Seit 2009 entbrannte im Stadion Letzigrund damit erstmals wieder Weltrekord-Jubel. Was für ein Gänsehaut-Moment!
Die neue Bestmarke mag unerwartet kommen und doch ist sie nicht ganz überraschend. Immerhin war dos Santos bei seiner kürzlich aufgestellten Jahresweltbestleistung (46,43) nicht weit vom Weltrekord entfernt. Auch hatte er Warholm 2026 in jedem Direktduell auf Distanz gehalten. Heute sei alles zusammen gekommen, perfekt gewesen, auch das Publikum und die Energie. «Es war unglaublich für mich und für alle hier. Ich habe keine Worte dafür, was geschehen ist. Ich hoffe, auch Brasilien hielt inne, um meinen Lauf zu sehen.» Mit einem Dank in Richtung seines Trainers, der für ihn wie ein grosser Bruder sei, verabschiedete sich der Samba-Tänzer mit einem Flair für ein gepflegtes Auftreten. Seit heute dürften weltweit noch mehr Blicke auf seine ihm wichtige Haarpracht und seinen üppigen Schmuck gerichtet sein.

Stab: Duplantis und Karalis schaukeln sich hoch
Die Stabhochsprung-Affiche hatte einiges versprochen. Bereits bei seiner Ankunft in der Limmatstadt hatte Armand «Mondo» Duplantis (SWE) am Mikrofon unserer Videoserie Weltklasse Zürich Insights verlauten lassen, dass er seine Karriere dereinst nicht würden beenden können, ohne bei Weltklasse Zürich den Weltrekord gebrochen zu haben. Dass er bis aufs Letzte gewillt war, seinen Worten Taten folgen zu lassen, bewies er mit seinen Versuchen auf der Weltrekord-Höhe von 6,32 m – und der anschliessenden Enttäuschung über sein dreimaliges Scheitern.
Dem letzten Sprung des Schweden war der hochstehendste Männer-Wettkampf der Stabhochsprung-Geschichte vorangegangen. Sein griechischer Antipode hatte den Schweden zu schwindelerregenden Höhen gepusht. 6,25 musste Mondo meistern, um die 6,20 des Zweitplatzieren zu übertrumpfen. Beide Athleten schnitten damit deutlich über dem bisherigen Meeting-Rekord von 6,07 ab. Zudem sind 6,25 m ein «Schweiz-Rekord»: Noch nie war auf eidgenössischem Boden mit dem Stab höher gesprungen worden.

3000 m: Uralt-Meeting-Rekord ist ausgelöscht
Exakt 40 Jahre ist es her, seit Saïd Aouita (MAR) den Meeting-Rekord über 3000 m aufgestellt hatte. 2026 konnte – endlich – dessen Nachfolger gefunden werden. Nach dem Antritt des Mittelstrecken-Shootingstars Cameron Myers (AUS) 250 m vor dem Ziel war es Parker Wolfe (USA), der am stärksten zu reagieren wusste und 100 m vor dem Ziel vorbeizog. In der Folge spurtete er ungefährdet seinem zweiten Diamond League-Triumph entgegen. Auch Wolfes Landsmann Graham Blanks schob sich vor Myers und sicherte sich Rang zwei. Der Meeting-Rekord liegt nun bei 7:27,43 Minuten – und tut dies hoffentlich weniger als 40 Jahre.

800 m: Ein Lauf der Extraklasse
Mit Spannung erwartet worden waren die Mittelstrecken-Rennen der Männer, darunter auch dasjenige über 800 m. Mit dem Auftrag angetreten, Weltrekordtempo anzugehen, erfüllte der Pacemaker seine Aufgabe tadellos: 49,20 für die erste Runde. Nach 600 m war es Olympiasieger und Weltmeister Emmanuel Wanyonyi (KEN) der übernahm und den Sieg nach Hause lief – bis auf die letzten Meter von Djamel Sedjati (ALG) allerdings hart gefordert wurde. Für den dritten Weltrekord des Abends – neben dos Santos lief über 100 m Hürden auch Masai Russell (USA) so schnell wie nie eine Frau vor – reichte es nicht ganz. Jedoch blieben beide Athleten unter 1:42,00 Minuten, der Kenianer stellte mit 1:41,76 eine Jahresweltbestleistung auf.

110 m Hürden: Jason Joseph entfacht das Feuer im Vorprogramm
110-m-Hürden-Europameister Jason Joseph sorgte für den perfekten Auftakt in einen weltklassigen Abend. Kurz vor Hauptprogramm-Beginn, das Stadion Letzigrund bereits zum Bersten voll, zündete der Baselbieter des LC Therwil in seiner Spezialdisziplin den Turbo. Mit 13,12 Sekunden setzte er sich an die Spitze und holte nach 2023 seinen zweiten Sieg. Gegen die vorwiegend europäische Konkurrenz stellte er seine kontinentale Vormachtstellung unter Beweis.
Die Weltklasse-Fans im Letzi seien lauter gewesen als bei der EM in Birmingham. Beinahe hätten sie den 28-Jährigen erstmals zu einer Zeit unter 13 Sekunden getragen. «Ich hätte es geliebt, hier eine persönliche Bestleistung zu laufen.» Seinem Genuss auf der Ehrenrunde tat dies keinen Abbruch. «Ich habe sie geliebt, sie war so lange und schön.»

Beim letzten Versuch landete der Speer von Rumesh Tharanga Pathirage (SRI) bei 92,07 m und damit nur knapp hinter dem Meetingrekord (92,28).
Wie erwartet war Miltiadis Tentoglou (GRE) im Weitsprung einmal mehr die Konstanz in Person und nicht zu schlagen. 8,45 m reichten zum Triumph. Simon Ehammer sprang bei Weltklasse Zürich im Stadion Letzigrund erstmals über 8 Meter und wurde mit 8,14 Sechster.
Cole Hocker ist zwar schon 1500-m-Olympiasieger und 5000-m-Weltmeister, siegte aber erstmals bei einem Diamond League Meeting.
Eine neue persönliche Bestleistung von 22,53 m reichte Jordan Geist (USA) im Kugelstossen zum Überraschungssieg. Favorit Leonardo Fabbri (ITA) wurde hinter Rajindra Campbell (JAM) nur Dritter.
Das sind die Weltklasse Zürich-Sieger 2026
200 m: Kenneth Bednarek (USA) 19,62
400 m: (Vorprogramm): Yuki Jospeh Nakajima (JPN) 44,62
800 m: Emmanuel Wanyonyi (KEN) 1:41,76
1500 m: Cole Hocker (USA) 3:31,71
3000 m: Parker Wolfe (USA) 7:27,43 (MR)
110 m Hürden (Vorprogramm): Jason Jospeh (LC Therwil) 13,11
400 m Hürden: Alison dos Santos (BRA) 45,80
Stab: Armand Duplantis (SWE) 6,25
Weit: Miltiadis Tentoglou (GRE) 8,45
Kugel: Jordan Geist (USA) 22,53
Speer: Rumesh Tharanga Pathirage (SRI) 92,07
1500 m Rollstuhl (Vorprogramm): Marcel Hug (SUI) 3:02,41
Hier geht’s zu den Highlights der Frauen