Elektrisiert von der magischen Ambiance bei Weltklasse Zürich im Stadion Letzigrund, zündeten die Stars des Abends ein Feuerwerk nach dem anderen. Zwei Meetingrekorde über 110 m und 400 m Hürden und eine Weltjahresbestleistung im Speer der Männer setzten dem 15. Wanda Diamond League Final die Krone auf.
200 m: Sprint-Showdown im Stadion Letzigrund
Es war das heiss erwartete Duell um den begehrten Diamanten: 100-m-Olympiasieger Noah Lyles (USA) gegen 200-m-Olympiasieger Letsile Tebogo (Botswana). Und der Showdown zwischen den beiden ungleichen Sprintraketen hielt, was er versprochen hatte. Tebogo legte los wie die Feuerwehr und kam mit ein paar Schritten Vorsprung aus der Kurve. Allein, je länger das Rennen ging, desto mehr holte Lyles auf. Im letzten Final des Abends entschieden zwei Hundertstel zugunsten des dreifachen 200-m-Weltmeisters (19,74). Mit sechs Diamond Trophies – fünf über 200 m – ist er Renaud Lavillenie (FRA/Stab) und Christian Taylor (USA/Drei), die je sieben Diamanten gewannen, dicht auf den Fersen.
Aber auch Vorjahressieger Tebogo wird nicht ohne Trophäe an die WM nach Tokio weiterreisen: Als bester U23-Athlet der Wanda Diamond League 2025 durfte er den «Jesse Owens Rising Star Award» von den Nachkommen der Sprintikone entgegennehmen.
Speer: Der Weltjahresbeste wird noch besser
Julian Weber (GER) eröffnete die Speerwurfkonkurrenz mit einem Kracher. Dank 91,37 m übertraf der Ex-Europameister seine eigene Weltjahresbestleistung (91,07 m) gleich im ersten Versuch. Und auch im zweiten Umgang segelte Webers Speer weiter als je zuvor: 91,51 m war die Marke, die in der Folge weder von Weltmeister Neeraj Chopra (IND) noch von Weber selbst übertroffen wurde. Verdienter Lohn: die erste Diamond Trophy für den fünften deutschen Speerwurf-Finalsieger seit Bestehen der Wanda Diamond League (2010).
Was für Weber und Co. die 90 Meter sind, sind für den Schweizer Simon Wieland die 80 Meter. Eine Schallmauer, die es im Laufe der Karriere zu sprengen gilt. Seit seinem U20-EM-Titel 2019 mit 79,44 m wartete der 24-jährige Berner auf diesen Meilenstein. Im sechsten und letzten Versuch war es so weit: Der 800-g-Speer flog durch den Zürcher Nachthimmel und kam erst nach 81,29 m wieder zu landen. Für den World University Champion der grösste Wurf bis dato.
400 m/110 m Hürden: Ein «junger» und ein historischer Meetingrekord
Letztes Jahr stand Karsten Warholm noch mit dem schwedischen Trikot im Regen und musste Infield-Speaker Lukas Studer Auskunft geben über seine tags zuvor erlittene Niederlage im 100-m-Duell gegen Mondo Duplantis (SWE). Die Höchststrafe für den Norweger. Doch der Wikinger ist nicht nur Weltrekord-, sondern auch Ehrenmann. Der Wikinger kam zurück an den Ort, wo er 2019 in 46,92 einen Europarekord auf die Bahn getrommelt hatte. Nun schenkte er dem Zürcher Publikum den nächsten Meetingrekord (46,70), veredelt mit seinem dritten Diamanten im kochenden Stadion Letzigrund.
Über 110 m Hürden egalisierte der Jahresbeste Cordell Tinch (USA) den 38-jährigen Meetingrekord seines Landsmanns Roger Kingdom. Dessen 12,92 Sekunden waren 1989 der fünfte und bis heute letzte Letzigrund-Weltrekord über die Kurzhürden.
3000 m Steeple: Erster Deutscher Laufsieg in Zürich seit 1980
Erstmals richtig laut wurde es in der Südkurve, als sich das von Frederik Ruppert angeführte Hindernisfeld auf die Schlussrunde begab. Der deutsche Rekordhalter, der sich in St. Moritz auf die WM vorbereitet, liess sich vom Schweizer Publikum tragen. Zwar wurde Ruppert beim letzten Hindernis nochmals arg bedrängt vom Kenianer Edmund Serem. Doch der frühere U23-Europameister (über 400 m Hürden!) von der LAV Tübingen behielt im packenden Endspurt die Oberhand. «Hier in Zürich zu laufen – das ist für mich besser als die Olympischen Spiele. Die Leute haben mich auf der letzten Runde derart gepusht», freute sich der erste deutsche Laufsieger im Letzigrund seit Thomas Wessinghage (1980/5000 m) und nichtafrikanischer Premierenfinalsieger über 3000 m Steeple.
Diskus: Wie der Vater so der Sohn
Den Finalabend eröffnet hatten die stärksten Männer. Punkto Weite hat Mykolas seinen 53-jährigen Vater Virgilijus Alekna bereits überholt. Der 22-jährige Filius ist mit 75,56 m nämlich der aktuelle Weltrekordler. Kein Wunder, wollte der litauische Olympia- und WM-Silbermedaillengewinner auch den 25 Jahre alten Meetingrekord bei Weltklasse Zürich an sich reissen, gehalten von Papa Virgilijus (71,12 m).
Letzterer stand von 1996 bis 2013 nicht weniger als 16 Mal im Diskusring des legendären Letzigrunds. Viermal (2000/01/05/06) verliess er ebendiesen als Sieger. Nun trat Sohn Mykolas in die (grossen) Fussstapfen seines Vaters und zweifachen Olympiasiegers. Mit 68,69 m kam er zwar nicht ganz an die Rekordweite seines hochdekorierten Stammhalters, doch seinen ersten Diamanten wolle er gemeinsam mit der Familie feiern, so Alekna junior.
Das sind die 16 Wanda Diamond League Champions 2025 (Männer)
100 m: Christian Colemann (USA) 9,97
200 m: Noah Lyles (USA), 19,74
400 m: Jacory Patterson (USA) 43,85
800 m: Emmanuel Wanyonyi 1:42,37
1500 m: Niels Laros (NED) 3:29,20
3000 m: Jimmy Gressier (FRA) 7:36,78
110 m Hürden: Cordell Tinch (USA) 12,92 (=MR)
400 m Hürden: Karsten Warholm (NOR) 46,70 (MR)
3000 m Steeple: Frederik Ruppert (GER) 8:09,02
Hoch: Hamish Kerr (NZL) 2,32 m
Stab (Sechseläutenplatz): Mondo Duplantis (SWE) 6,00 m
Weit (Sechsläutenplatz): Simon Ehammer (SUI) 8,32 m
Drei: Andy Díaz Hernández (ITA) 17,56 m
Kugel (Sechseläutenplatz): Joe Kovacs (USA) 22,46 m
Diskus: Mykolas Alekna (LTU) 68,89 m
Speer: Julian Weber (GER) 91,51 m (WL)